Verhaften. Dann fragen. Vielleicht.
Allem vorweg: Respekt beruht auf Gegenseitigkeit.
Die Zürcher Stadtpolizei will sich mit der “Operation Respekt” wieder mehr Achtung verschaffen. Das dumme dabei ist, dass das Polizeikommando der Stadt Zürich nicht daran denkt, dass die Beamten im Einsatz den Befehl als Freipass für unverhältnismässiges Reagieren verstehen. Mindestens zwei der gezeigten Beamten im Beitrag von 10vor10 steht der Gefallen an der Aktion ins Gesicht geschrieben.
Beispiel 1: Der Zigaretten-Schütze
Während einer Routine-Patroullie im Zürcher Stadtkreis 4 wird eine Polizeibeamte von einem “Projektil” eines Zigraetten-Schützen nur knapp verfehlt. Ihre Kollegen schreiten ein und verhaften den gefährlichen Mann umgehend. Leicht überheblich und stolz erzählt die Polizeibeamte der Kamera des Schweizer Fernsehens was da gerade passiert ist und das sie die Reaktion ihrer Kollegen “richtig” findet.
Was ist wirklich passiert? Der leicht angetrunkene Fan des FCZ hat dem Schweizer Fernsehen im Vorbeigehen kurz gezeigt, warum er bei “Deutschland sucht den Superstar” nicht in den Recall kommen würde und schnippte einige Sekunden später seine abgerauchte Zigarette weg. Unglücklicherweise (oder doch mit einer gewissen Absicht?) landete diese Zigarette hinter der besagten Beamten der Zürcher Stadtpolizei. Die Reaktion der Polizei: der Mann wird verhaftet.
Welche Reaktion wäre da vielleicht angemessen gewesen? Eine Geldbusse hätte vielleicht ausgereicht.
Beispiel 2: Geisterfahrer mit Platzanspruch
Morgens um 03:00 Uhr kommt einem Einsatzwagen der Polizei bei einer Patrouillenfahrt ein Radfahrer auf der Busspur entegehen. Beim Vorbeifahren am Radfahrer touchiert das Einsatzfahrzeug den Radfahrer leicht und interpretiert dies so, der Verkehrssünder habe absichtlich gegen das Polizeifahrzeug getreten. Die Reaktion der Polizei: zwei Beamte springen aus dem Wagen und zerren den Radfahrer samt Fahrrad über die ganze Strasse, “nageln” ihn an einer Hauswand fest, verhaften ihn und fordern über Polizeifunk Verstärkung an. Diese trifft Sekunden später ein und sichert den Tatort. Natürlich mit mit Gummischrot-Gewehren bewaffnet. Resultat: mehrere Personen werden verhaftet.
Der Verhaftete sagte aus, dass ihn der Einsatzwagen der Polizei beim Vorbeifahren touchiert habe. Anschliessend sei er überwältigt worden.
Was ist wirklich passiert? Der sündige Verkehrsteilnehmer war fahrradfahrenderweise wirklich auf der Busspur unterwegs. Das ist verboten. Laut Aussage des Verkehrssicherheits-Experten und Fahrlehrer Hasan Kalender ist es aber auch der Polizei nicht erlaubt ohne Blaulicht und Martinshorn auf der Busspur zu fahren. Und doch müssen die Damen und Herren der Polizei auf der Busspur unterwegs gewesen sein. Wie sonst hätten die den Fahrradfahrer beinahe überfahren können?
Darüber hinaus hätten die Polizeibeamten nicht einmal auf den Radfahrer und sein verkehrstechnisches vergehen reagiert, hätten sie diesen nicht im Vorbeifahren touchiert. Im Vorbeifahren!
Welche Reaktion wäre da vielleicht angemessen gewesen? Eine einfache Geldbusse für den Verkehrssünder hätte völlig ausgereicht.
Beispiel 3: Der Französisch sprechende Jurist
Ein französisch sprechender Jurist welcher gerade als Passant auf Zürichs Strassen tätig war, wurde von Polizeibeamten gebeten zurückzutreten. Des weiteren forderten sie ihn dazu auf die Händer aus den Hosentaschen zu nehmen. Er bliebt mit einfach stehen. Mit den Händen in den Hosentaschen. Dieser Querulant!
Die Reaktion der Polizei: sie bringen den Passanten sehr unsanft in die Horizontale und verhaften ihn. Warum? Wegen “Nichtbeherrschen der Deutschen Sprache”? Dem befragten Polizisten ist einfach keine bessere Antwort eingefallen: “Er ist nicht zurückgetreten. Dann hat er die Hand nicht auch der Hosentasche gezogen. [...]. Dann habe ich entschlossen ihn zu verhaften.“.
Was ist wirklich passiert? Lieber Vollidiot Polizist. Dieser Mann hat Dich einfach nicht verstanden. Er spricht Französisch. Er hat nicht verstanden, was Du von ihm willst. Schau doch im Lexikon einmal unter “Sprachen” nach. Dann wirst Du lernen, dass er davon mehr als eine gibt und dass diese untereinander nicht kompatibel sind.
Résumé
Die Stadtpolizei Zürich will mehr Respekt. Sie schreiten auch bei ganz leichten Fällen (wie dem Wegschnippen einer Zigarette, dem unerlaubten Fahren auf der Busspur oder dem “Nichtbeherrschen der Deutschen Sprache”) mit massiv übertriebener Härte ein. Mehrer Passanten werden verhaftet.
Hat die Polizei nicht etwas vergessen? Doch! Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Aber das vergisst man ja schnell – in der Hitze des Gefechts.
Die neue Devise der Stadtpolizei Zürich: Verhaften. Dann fragen. Vielleicht.
“Unschuldige” Passanten werden in einem Grossaufgebot der Polizei verhaftet. Da freuen sich zumindest die Drogendealer, Zuhälter, Kidnapper, Einbrecher und Mörder. Sie können ungestört ihrer “Arbeit” nachgehen.
Ich in Zürich
Es scheint, als würde ich der Polizei alleine durch meine Anwesenheit in der Strassen von Zürich einen Grund dazu zu geben, mich zu verhaften. Was wäre, wenn ich darauf angemessen reagieren würde. Würde mich die Polizeibeamten dann gleich erschiessen?
Vielleicht.
SF löscht Video
Gerne hätte ich hier den 10minütigen Videobeitrag von 10vor10 gezeigt. Doch das SF hielt es wohl für besser, nicht nur diesen Beitrag, sondern gleich die ganze Sendung 10vor10 vom 02. Dezember 2009 zu löschen.
Der Videobeitrag von 10vor10
Auch wenn das SF die Sendung vom 02. Dezember 2009 und auch den Teilbeitrag “Umstrittene Polizeihärte” vom Videoportal gelöscht hat ist es im Browserchache leicht zu finden. Man muss nur wissen wie und wo.
Hier der versprochene Beitrag. Unlöschbar.
Unglaublich, nicht?
hab das video gesehen. sauerei! hopp ralph. lass uns demonstrieren gehen! wohooo!
ps: hätte den artikel genau so geschriebe, wenn ich schreiben könnte…
ich habe es gesehen, finde es gut so. was die eltern versäumt haben muss jetzt halt die polizei nachholen. ich möcht auch nicht dass mir so ein arsch zigretten anschmeist und ans auto gingt! der anfang von “ich nix verstehen” fehlt bewusst. sf weiss schon warum das video gelöscht wurde.
[...] This post was mentioned on Twitter by Ralph Bolliger , Monika Mäder. Monika Mäder said: RT @ralphbolliger: Druckfrisch: “Verhaften. Dann fragen. Vielleicht.” (http://cli.gs/01rnW) [...]
Oli, bei allem Respekt. Die Polizei soll härter durchgreiffen. Aber nicht so. Und vorallem nicht, wenn man mit dem Velo auf der Busspur fährt, eine Zigarette wegschnippt oder die Deutsche Sprache nicht versteht. Die Polizei hat nicht einmal nachgefragt.
Wir sollen der Polizei Respekt erweisen? Dann soll die Polizei aber auch nicht jeden wie einen Schwerverbrecher behandeln.
Wenn ich das sehe, verliere ich jeden Respekt der Polizei gegenüber. Härtere Methoden sind gut. Aber nicht so und nicht pauschal bei jedem.
da steht aussage gegen aussage. und ich glaube hier der polizei mehr als den besoffnen jugentlichen welche um 3.00 uhr an der langstasse unterwegs sind. französisch sprechender jurist? sicher ein welscher. die können meist sogar ohne jura studium recht gut deutsch. und wenn nicht würde man ja sicher was in der situation in der eigenen sprache oder englisch sagen. und warum steht er da an der wand, was ist davor passiert?
ne angemessene reaktion sieht so aus:
http://www.youtube.com/watch?v=6pQ2nCNls8A
Gut. Angemessen. Glücklicherweise hat sie nicht gleich auf die “bösen Jungs” geschossen. Jedoch denke ich weniger, dass die Typen jetzt mehr Respekt vor ihr haben. :-)
Sollten die Bullen sich so einen Fehler bei mir leisten, werde ich wenn ich den Nachnahmen in des Bullen in Erfahrung bringe ihn mit einer Gruppe von Kollegen aus dem Hinterhalt brutal angreifen und spitalreif prügeln. Auge um Auge – Zahn um Zahn!
Und so dreht sich das Ganze immer weiter und immer weiter. Du glaubst doch nicht wirklich, dass das was Du tun würdest eine wirklich sinnvolle Idee ist, oder?